Skandinavien Reise 01.06. bis 07.06.2016

Skandinavien Reise 01.06. bis 07.06.2016

Montag, Juni 1, 2026

Bratland Camping, Haukeland

Ohlala, les marmottes waren gestern gar nicht amüsiert als der Regen direkt in ihren Bau lief. Wenigstens erfüllten die eingeleiteten Notfallinterventionen kurzfristig ihren Zweck es tropfte nur noch aussen weiter.

Nun geht es erst einmal weiter Richtung Bergen. Die Strecke von 159 km führt über teilweise enge und kurvige Strassen und auch in Sachen Baustellen lässt sie nichts zu wünschen übrig. In den letzten Tagen führte unsere Fahrt an unendlich vielen grösseren und kleineren Seen vorbei. Jetzt gehört das Spektakel den Wasserfällen. Zwischen Røldal und Odda hält Schünti kurz vor dem beeindruckenden Espelandsfossen an (der Wohnwagen hängt ziemlich schief in der Schotterbucht). Direkt vor dem Wasserfall weht die Gischt wie ein dichter Sprühregen über die ganze Strasse und nässt sowohl uns wie die Kameras in Sekundenschnelle.

Espelandsfossen

Kurz darauf folgt bereits der Låttefossen. Hier haben wir mit dem Gespann leider keine Chance anzuhalten. Wir können den spektakulären Zwillingswasserfall nur im Vorbeifahren bewundern. Von Odda fahren wir dem Sørfjord, einem etwa 40 km langen Seitendarm des Hardangerfjords entlang. Die Gegend gilt als Obstgarten Norwegens und ist wunderschön und abwechslungsreich. Etliche Wasserfälle stürzen auf der gegenüberliegenden Fjordseite in das milchig türkisblaue Becken während auf unserer Seite Apfelblüten die Landschaft zieren. Die Strasse erfordert die volle Konzentration des Fahrers und mangels grösseren Parkplätzen können wir nur einmal eine Pause einlegen. Nachdem wir die Hardangerbrua überquert haben wird die Strasse breiter und es folgen etliche finstere Tunnels. Es ist schon 15 Uhr vorbei, als wir am Melsvatnet See bei Skulestadmo unser Gefährt endlich auf einem Parkplatz beim KIWI Lebensmittelgeschäft abstellen, einkaufen und etwas essen können. Unterwegs rufen wir einen Camping in der Nähe von Bergen an und fragen nach einem Platz. Kein Problem, einfach vorbeikommen und selbst einchecken. Als wir kurz nach 17 Uhr dort ankommen, erinnert das Ambiente eher an einen Schotterplatz. Dazu sind die Plätze sehr eng und praktisch alle schon belegt. Also fahren wir zielstrebig zum nächstliegenden Camping, der uns dann auch recht gut gefällt. Die wechselnde Bewölkung geht allmählich in einen leichten Regen über. Wir machen es uns im Wägeli gemütlich, kochen und planen unseren Ausflug nach Bergen.

Ausflug nach Bergen

Dienstag, 02.06.2026

Hanseviertels Bryggen

In der Nacht hat es leicht geregnet und das Leck macht sich wieder bemerkbar. Wir brauchen einen Werkstatttermin. Schünti ruft bei Bergen Caravan in Hylkje an und erhält die Auskunft, dass wir einfach vorbeikommen können. Das werden wir morgen tun, heute geht es erst einmal per Bus und Bahn nach Bergen. Bei durchschnittlich 280 Regentagen jährlich wähnen wir uns glücklich, dass wir die Stadt trocken und sogar mit einigen milchigen Sonnenstrahlen besichtigen können. Die Lage von Bergen ist idyllisch. Vom Hinterland wird die Stadt durch sieben Fjellhöhen abgeschirmt, vom Meer ist sie durch Inseln und Schären geschützt. Von der Bahnstation Sentrum laufen wir zuerst Richtung Vågen, der zentralen Hafenbucht, wo sich am Torget der berühmte Fischmarkt befindet. Von hier aus sind auch schon die bunten Holzhäuser des historischen Hanseviertels Bryggen zu sehen. Mit vielen anderen Tourist*innen und etlichen Gruppen schlängeln wir uns durch die schmalen Bohlengänge zwischen den Häusern wo früher gearbeitet wurde. Später stärken wir uns in einer gut besuchten Bäckerei bei Kaffe, Rosinbolle und Skillingsbolle, um dann die nächsten Kilometer durch die farbenfrohe Stadt mit charmanter Atmosphäre unter die Füsse zu nehmen.

 Knøsesmauet

Es geht hoch zur Knøsesmauet, eine der ältesten und malerischsten historischen Gassen im Stadtteil Nordnes. Von dort bergab Richtung Industriehafen wo das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 3“ liegt, dessen Passagiere auch heute Bergen erkunden .... Gleich über dem Hafenbecken liegt die juristische Fakultät. Das Viertel Sydnes ist geprägt von steilen Kopfsteinpflastergassen und den typischen, weiss und bunt gestrichenen Holzhäusern. Die Atmosphäre fühlt sich gleichzeitig lebendig und entspannt an. Nicht weit entfernt liegt die Johanneskirken, welche sich aber in einer grossen, mehrjährigen Sanierungsphase befindet. Der 61 Meter hohe Turm ist komplett in Gerüste und Plastikplanen gehüllt. Beim Eingang hören wir laute Stimmen aus der Kirche. Es klingt wie ein Disput. Durch die gläsernen Türen sehen wir auf einen riesigen Bildschirm. Wir können nur einen kurzen Blick ins Innere werfen, bevor jemand kommt und uns bittet zu gehen. Es laufen gerade die finalen Proben für das Dokumentartheaterstück über den Pelicot-Prozess. Spannend war der kleine Einblick dennoch. Für uns wird es langsam Zeit für den Rückweg. Kaum sind wir bei der Bahnstation fängt es leicht zu regnen an.

Reparatur Wägeli und Parkplatzübernachtung

Mittwoch, 03.06.2026

Kurz nach 10 Uhr treffen wir beim Bergen Caravan AS in Hylkje ein. Die Dame am Empfang schaut uns mit grossen Augen an, als wir sie über das gestrige Telefon und unser Anliegen informieren. Die Werkstatttermine sind heute alle ausgebucht (eigentlich bis Mitte Juli!). Sie vermutet, dass uns jemand vom Verkauf eine falsche Information gegeben hat und geht der Sache nach. Wir haben Glück und ein Mechaniker schaut sich das Problem auf dem Parkplatz kurz an und nimmt den Wagen dann in die Werkhalle. Er stellt fest, dass sich bei der Markise etwas gelöst hat. Er dichtet diese Stelle und zur Sicherheit noch einige weitere mit Silikon ab, kann aber nicht garantieren, dass das Problem damit behoben ist. Weiterfahren können wir erst morgen, sobald das Silikon getrocknet ist. Er zeigt uns einen Platz auf dem Areal wo wir unser Wägeli abstellen dürfen.

Parkplatz Übernachtung

Also Pause.  Am Nachmittag fahren wir dem Auto dem Fensfjorden entlang bis zur Fährstation von Leirvåg. Die Überfahrt nach Sløvåg lassen wir nach kurzem Überlegen bleiben, da es uns nicht sonderlich lohnenswert scheint. Auf der Rückfahrt landen wir prompt im Feierabendstau, der hier bereits ab halb vier Uhr beginnt. Es geht nochmals in den nahegelegenen Cyrcle K Shop. Bis zum Ende des Tages haben sich unsere Koppen quer durch die Getränkepalette gearbeitet. Da wir hier auf dem Parkplatz keinen Stromanschluss haben, wird es am Abend ziemlich kühl im Wägeli. Wie es nun weitergeht hängt in erster Linie davon ab, ob die Reparatur geglückt ist.

Weiterfahrt nach Eidfjord und Wasserfälle

Donnerstag, 04.06.2026

In der Nacht hat es zeitweise ordentlich geregnet und bei uns ist alles trocken geblieben. Juhu, unser Wägeli ist wieder dicht! Nach Tee und Kaffee im Cyrcle K sind wir schon um 8 Uhr auf der Piste. Den grössten Teil der Strecke kennen wir bereits. Nach der Hardangerbrua fahren wir aber nicht südlich Richung Odda sondern noch einige Kilometer östlich nach Øvre Eidfjord. Wir checken auf dem Sæbo Camping ein und erleben gleich die nächste Panne. Die Fernbedienung für den Mover funktioniert nicht. Ausser lautem Piepsen und rot blinkenden Symbolen passiert nichts. Ein netter Nachbar hilft uns beim Schieben. Bereits ein kleiner Bodenabsatz lässt das Rangieren zu einem wahren Kraftakt werden. Nachdem wir den Strom installiert haben stellen wir fest, dass die Bordbatterie komplett entladen ist. Als sie wieder zu neuem Leben erwacht, braucht es noch ein Reset, danach ist auch der Mover wieder freudig einsatzbereit.

Eidfjordvatnet

Øvre Eidfjord liegt am südlichen Ende des Sees Eidfjordvatnet und ist von steilen Felswänden und zwei tief eingeschnittenen Tälern umgeben. Am späteren Nachmittag soll es allenfalls sogar ein paar Sonnenstrahlen geben. Eine Gelegenheit um den berühmten Wasserfall in der Nähe zu besichtigen. Durch zwei Kehrtunnel schraubt sich die Strasse steil in die Höhe bis zum Fossatromma-Parkplatz. Von hier aus gelangt man über gut ausgebaute Pfade und Holzstege zu den schwebenden Aussichtsplattformen mit wunderbarer Sicht auf den Zwillingsfall Tysvikofossen und den gewaltigen Vøringfossen der ungestüm 182 Meter in die tiefeingeschnittene Måbødalen-Schlucht stürzt. Über eine luftige Treppenbrücke mit 99 Stufen gelangt man auf die andere Schluchtseite. Wir geben nach Dreiviertel der Strecke aber auf, da es schon wieder nass wird.

Zwillingsfall Tysvikofossen  und Vøringfossen

Vøringfossen zum Zweiten, Bakerybesuch und Regen

Freitag, 05.06.2026

Måbødalen-Schlucht

Norwegen zeigt sich von seiner launischen Wetterseite. Schünti hat die Nase tief in sein Tolino vergraben und es braucht einiges an Überzeugungskunst, um ihn dazu zu bewegen den Vøringfossen noch aus anderer Perspektive zu bestaunen. Es lohnt sich. Die Aussichtsplattformen beim Fossli-Hotel bieten ein wahrhaft spektakulären Blick von oben auf den tosenden Wasserfall und in die tiefe Schlucht.

Vøringfossen

Nachdem wir uns sattgesehen haben fahren wir hinunter nach Eidfjord. Heute liegt kein Kreuzfahrtschiff am Hafen und es ist recht ruhig im Ort. Wir suchen nach einer Bäckerei oder einem Café und finden in der Vik Bakeri eine üppige Auswahl von allerlei Backwaren. Auf der gemütlichen und überdachten Terrasse geniessen wir einen Cortado og Eplebolle med mandler und Chai Latte og Rabarbrabolle med vaniljekrem. Leider ist die Trockenwetterphase schon bald wieder vorbei und wir verkriechen uns im Wägeli.

luftige Treppenbrücke

Weiterfahrt bis Hemsedal, freundlicher Empfang auf dem Fjellcamp und ein Wasserfall

Samstag, 06.06.2026

Ein erster Blick durchs Fenster lässt mich gleich wieder unter den Schlafsack kriechen. Die grauen Nebelschwaden hängen tief und auch der See ist unter einer Nebelschicht verschwunden. Es dauert bis erste blaue Löcher zögerlich durch die Wolken blinzeln und dann einige Sonnenstrahlen die Felsen in ein wärmendes Licht hüllen. Bis es soweit ist hilft nur Tee und Toast, Kaffee und Müesli.

Eidfjordvatnet

Der erste Abschnitt unserer Strecke (die Rv7 von Eidfjord über die Hardangervidda) ist offiziell als eine der 18 Norwegischen Landschaftsrouten ausgezeichnet. Noch einmal fahren wir vorbei am Vøringfossen und erreichen bald die Hardangervidda. Die Natur verändert sich auf Norwegens grösster Hochebene schlagartig. Die sonst so grüne, bewaldete Fjordwelt weicht einer weiten, fast arktischen Tundra-Landschaft. Hier oben, auf über 1200 Metern Höhe ist die Luft ist frisch. Die Bergseen sind teilweise noch zugefroren.

Nach der Überquerung der Hochebene passieren wir Geilo, einen bekannten Wintersportort im Hallingdal. Die Magie verflüchtigt sich. Bevor es über das Hochland in Richtung Osten weitergeht ist es Zeit für einen Kaffeestopp. Kurz vor dem Städtchen Gol biegen wir schliesslich auf die Rv52 nach Norden ab. Die Strasse folgt nun dem Flusslauf durch das grüne, von mächtigen, bewaldeten Berghängen umrahmte Hemsedal. Das Tal ist als Outdoor-Paradies bekannt, das im Sommer zum Wandern und Mountainbiken einlädt und im Winter als Norwegens „skandinavische Alpen“ gilt. Noch bevor wir das eigentliche Ortszentrum von Hemsedal erreichen, stürzt auf der linken Talseite der Hydnefossen vom Veslehorn-Bergplateau.

Hydnefossen

Wir sind beide fasziniert von diesem Naturschauspiel und beschliessen, später nochmals zurückzufahren. Nach zurückgelegten 170 Kilometern werden wir auf dem Hemsedal Fjellcamp Camping von Jens, dem Besitzer herzlich begrüsst. Wir parken rasch unser Wägeli und machen uns wieder auf den Weg zum Hydnefossen. Im Gegensatz zum Vøringfossen weist hier kein Schild zum Wasserfall, es ist ruhig und wir sind allein. Auf dem Rückweg unseres Kurzausflugs kaufen wir für die nächsten paar Tage ein. Schünti zieht es danach aufs Bike. Er schafft knappe 8.5 km, dann gibt es eine kalte Brause und er nimmt den Rückweg vorzeitig in Angriff. Meine Wanderlust hat sich zeitgleich mit dem kalten Wind verflüchtigt, so dass ich erst gar nicht losgehe.

Sonnenschein, Lunde Camping in Aurland und berühmte Fjorde

Sonntag, 07.06.2026

Wir sind auf 780 M.ü.M und morgens um Sieben ist es kühle acht Grad. Doch die Sonne scheint und die Luft ist klar. Also laufe ich ein kurzes Stück und bestaune die schöne Landschaft bevor ich mich im Wägeli wieder etwas aufwärme. Heute geht es weiter durch das schöne Hemsedal, über eine beschauliche Hochebene bis nach Borlaug und danach westlich durch das malerische Flusstal Laerdal.

Die Stabkirche in Borgund lassen wir aussen vor und fahren direkt durch den mit 24.5 Kilometer längsten Strassentunnel der Welt. Im Tunnel sind drei riesige, blau und gelb beleuchtete Felshöhlen eingebaut, die eine Art Tageslicht simulieren und Platz zum Wenden bieten. Kurz nach dem Tunnel erreichen wir auch schon unser heutiges Übernachtungsziel. Nun wollen wir natürlich den tiefen Aurlandsfjord bestaunen und fahren über eine sehr schmale Serpentinenstrasse zum Aussichtspunkt Stegastein. Es ist viel los am Bjørgavegen und zum Kreuzen muss an vielen Stellen eines der Autos, Wohnmobile, Touristenbusse und auch der reguläre Bus vor- oder rückwärts in einen der Ausstellplätze ausweichen. Endlich oben angekommen gehen wir auf die moderne Aussichtsplattform, die 30 Meter über die Felswand hnausragt. Es hat viele Leute und es herrscht ein ziemliches Gerangel um die aussichtsreichsten Plätze. Manche nehmen sich ausgiebig Zeit, um vor der tollen Kulisse zu posieren und dem Fjord die Show zu stehlen.

Aurlandsfjord

Nachdem auch wir ein paar Blicke auf den Fjord erhaschen und fotografieren konnten, verlassen wir den Ort so rasch als möglich. Einige Kurven weiter unten gibt es einen zweiten Aussichtspunkt.

Aurlandsfjord

Die Sicht ist auch von hier aus sehr schön und es ist viel ruhiger. Hier treffen wir auf eine Familie die aus China kommt und mit ihrem Wohnmobil seit hundert Tagen unterwegs ist. Zur Erholung nach dem Touristenrummel suchen wir zielstrebig ein Kaffee und setzen uns in Mariannes Bakeri & Kafe auf die Terrasse.

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