Årskogvika Camping, Lote
Nachdem Fahrbereitschaft für unser Wägeli erstellt ist, fahren wir auf der E16 wieder durch den langen Tunnel, wechseln kurz darauf auf die E16 und erreichen in Fodnes unsere erste Fährstation. Die Fähren fahren im Pendelbetrieb: Eine hin, die andere zurück. Nachdem wir in Manheller ausgeschifft haben geht die Fahrt auf der E5 weiter nach Kaupanger. Hier steht eine weitere Stabkirche. Obwohl sie geschlossen ist, lohnt sich ein Abstecher zur schlichten Holzkirche, die malerisch über der Kaupangerbukta am Sognefjord liegt.

Wir kommen mit einem australischen Ehepaar ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass sie gestern ebenfalls am Stegastein waren. Ihren Eindruck hat sie kurz und bündig als Google Rezension festgehalten: „The view ist stupendous. The crowds are daunting. The toilet facilities are disgusting“. Für uns geht es nordöstlich weiter bis zum Ende des Fjærlandsfjords. Der Fjord wird von steilen, majestätischen Bergen eingerahmt. Etwas später biegen wir zum Bøyabreen Aussichtspunkt ab. Wir haben Glück, dass ein deutscher Tourist gleich abfahren will und wir unser Gespann parken können. Der Bøyabreen ist der schnellst fliessende Gletscher in Europa und sehr eindrücklich anzuschauen. Alle paar Minuten hört man das Rumpeln von zu Tale stürzenden Eismassen.

Nachdem wir uns die Berglandschaft und die Gletscher angesehen haben geht es weiter auf der E5 und E39 nach Anda, wo wir mit der Fähre nach Lote übersetzen. Kurz darauf erreichen wir unser Tagesziel, den Årskogvika Camping. Es ist ein sehr kleiner und einfacher Platz direkt am Fjord und trotz trübem Wetter haben wir eine super Aussicht.
Volsdalen Camping Ålesund
Dienstag 09.06.2026

Heute Morgen ist es kühl aber für den Moment wenigstens trocken. Auf der gegenüberliegenden Fjordseite hat es etwas Sonne, was ich ausnutze und ein Panorama aufnehme und schon bald fallen wieder die Tropfen. Nachdem das Wägeli fahrbereit ist, nehmen wir die E39 über Nordfjordeid nach Aursnes, von wo es mit der Fähre hinüber nach Magerholm geht. Dann fahren wir weiter nach Moa wo die Nerven dank Baustellen ziemlich strapaziert werden und auch unser Navi überfordert ist. Nach einer Ehrenrunde finden wir unseren Camping dann doch noch. Kurz darauf nehmen wir bereits den Weg nach Ålesund unter die Füsse. Der Marsch durch die Vorstadt zieht sich länger hin als uns lieb ist. Endlich erreichen wir das Zentrum, das nach einem verheerenden Brand im Jahr 1904 komplett im Jugendstil wiederaufgebaut worden ist. Wie zu vermuten brauchen wir eine Stärkung, bevor wir uns diesen Bauwerken widmen.

Mit Blick auf die bunte Skansegata spazieren wir später dem malerischen Brosundet-Kanal entlang, gehen weiter zur Apoteker- und Kirkegata und bestaunen die Fassaden und verspielten Details der Häuser.

Vom Storhaugen, einem kleinen idyllischen Hügel haben wir einen guten Blick auf die Stadt und die Fjorde. Nun werden die Füsse langsam müde und wir treten den Rückweg zum Zentrum an, wo die Suche nach einem Bus losgeht, der in Richtung Campingplatz fährt.
Småøyan Camping Bæverfjord
Mittwoch 10.06.2026
Seit gestern Abend hat es wieder flott geregnet. Ich krieche um halb sieben aus den Federn und schalte sofort die Heizung ein. Draussen fallen immer noch Tropfen und es geht ein kühler Wind. Drinnen ist es schon gemütlich warm und ein paar heisse Kaffees bringen die Lebensgeister in Schwung. Dann heisst es Regenjacke montieren und das Wägeli fahrbereit zu machen. Nachdem wir die Vororte von Ålesund passiert haben wird es etwas ruhiger auf der Strasse. Nach einem Tankstopp in Skodie, billigster Diesel seit Wochen, geht es weiter auf der E39 nach Furneset wo wir die Fähre nach Molde nehmen. Eine kräftige Brise sorgt heute für ordentlich Bewegung auf dem Fjord und das Schiff tanzt leicht auf den Wellen. Die zwei nächsten Fjordarme sind mit Brücken verbunden, danach folgt eine weitere kurze Fährfahrt von Kanestraum nach Halsanaustan. Bald biegen wir auf die RV65 nach Bøverfjord ab und erreichen unser Ziel, den Småøyan Camping.

Nach dem Einchecken finden wir auf der praktisch leeren Wiese schon bald einen hübschen Platz unter Birken für unser Wägeli. Ich mache den Wohnwagen bereit während Uschi bereits die erste Wäschetrommel füllt. Nach zwei Tagen ohne Kochen zieht am Abend ein herrlicher Duft von knusprigem Gemüsekuchen durch unser Wägeli. Kurz vor Mitternacht sind auch unsere Zehn- und Zwanzigkronerstücke restlos aufgebraucht und unsere Wäscheaktion erfolgreich beendet.
Sonne, Bike und Putzaktion
Donnerstag, 11.06.2026
Ein buntes Vogelgezwitscher empfängt mich, als ich am Morgen früh aus dem Wägeli steige. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Vom Dach eines Schuppens pfeift ein Austernfischer aufgeregt und schrill in meine Richtung. Ein Nachbar sagt mir später seinen Namen, er wird hier Tjeld genannt. Der schwarz-weisse Vogel mit dem langen, spitzen, roten Schnabel brütet dort und muss sein Nest beschützen.

Schünti schwingt sich nach dem Frühstück aufs Bike und erkundet das Boverdalen.

https://www.komoot.com/de-de/tour/3029474294

Ich nehme es zunächst ruhig und spaziere am Fluss entlang, wo Möven kreischen und wilde Lupinen blühen. Danach bin ich motiviert für eine kurze Putzaktion. Auf dem Camping herrscht gemütliche Stimmung. Die Leute, praktisch alles Dauercamper, sitzen draussen an der Sonne und halten hier und dort einen Plausch zusammen.
Soria Moria Camping, Verdal
Freitag, 12.06.2026
Wir sind beide früh wach. Nach einem kurzen Frühstück machen wir alles startklar. In den letzten Wochen hat sich eine gewisse Routine eingestellt und so sind wir bald bereit, um die Reise weiter nordwärts unter die Räder zu nehmen. In der Nähe von Trondheim geraten wir in einen Platzregen, danach wird es rasch wieder sonnig. Einzelne grosse Wolken ziehen lange Regenschleier hinter sich her.

Aus der Ferne ein genialer Anblick, direkt darunter wird es wohl gerade ungemütlich nass. Rund um Trondheim ist die E6 über etliche Kilometer ein Nadelöhr aus Baustellen und Umfahrungen. Nach diesem Geduldsspiel sind wir froh, auf dem Campingplatz anzukommen und uns einzurichten.

Nach einem sonnigen Picknick verschlafe ich den Nachmittag, bis mich ein Gewitter weckt. Überrascht stelle ich beim Blick aus dem Fenster fest, wie viele Leute inzwischen angekommen sind. Am Abend planen wir die Weiterreise und nehmen den Kystriksveien - die Route über die Küstenstrasse Fv17 - genauer unter die Lupe.
Start zum Kystriksveien, Campingplatz Kjelleidet
Samstag, 13.06.2026
Wie schön uns die Sonne heute Morgen wieder anlacht. Wir machen einen kurzen Abstecher ins nächste Einkaufszentrum, um uns für die kommenden zwei bis drei Tage zu versorgen. Von Verdal geht es danach zunächst auf der E6 nach Steinkjer. Sanfte Hügel und ausgedehnte Landwirtschaft prägen diesen Abschnitt am inneren Ausläufer des Trondheimfjords. Sobald wir Steinkjer Richtung Grong nach Norden verlassen, weicht der Fjord einer dichten, nordischen Waldlandschaft. Die Strasse verläuft hier kilometerlang direkt am Ufer des Snåsavatnet, dem sechstgrössten See Norwegens und schlängelt sich durch welliges Gelände, vorbei an tiefen Nadelwäldern und kleineren Felsformationen. Die Besiedlung wird spürbar dünner. Weiter Richtung Gartland führt die Route hinter dem Snåsasee ins breite Flusstal des Namsen, eines der bekanntesten und fischreichsten Lachsflüsse der Welt.

In Gartlang biegen wir nach Westen auf den Kystriksveien ab und passieren das waldreiche Høylandet mit zahllosen kleinen Seen und sanften Bergen. Sobald wir uns Foldereid nähern, wird das Landschaftsbild vom mächtigen Heilhornet-Massiv, einer bekannten Wanderdestination dominiert. Wir überqueren die Brücke des Foldafjorden und folgen der Strasse bergan, die nun zur einen Seite von steilen Felswänden gesäumt ist und zur anderen Seite den Blick auf den in der Senke liegenden Fjord freigibt.

Kurz darauf erreichen wir den Kjelleidet Campingplatz. Er liegt unmittelbar am Ufer des Kjellafjords und zeigt uns die raue Kulisse der norwegischen Helgelandsküste.

Küstenstrassen, Fähren und wunderschöne Ausblicke
Sonntag, 14.06.2026
Der Morgen ist wolkenverhangen. Wir fahren die kurze Strecke nach Holm, wo uns die Fähre nach Vennesund mitnimmt. Der Himmel zeigt sich nun recht blau und die Strecke zwischen dem Fähranleger Vennes und und unserem Tagesziel Brønnøysund ist eine wunderschöne Fahrt von knapp 50 Kilometern.

Wir sehen ein Wechselspiel aus tiefblauem Atlantikwasser, flachen Agrarflächen und schroffen Bergen im Hintergrund. Die Abschnitte rund um den Sømna Fjord bieten Ausblicke auf Meeresbuchten, die an die Karibik erinnern. Es ist ziemlich frustrierend, dass wir keine Parkmöglichkeit finden. Erstens wäre es schön, hier etwas zu verweilen und zweitens ist es unmöglich, die traumhafte Kulisse aus dem rollenden Auto heraus mit der Kamera festzuhalten.

Der Campingplatz Mosheim bei Brønnøysund wird von zwei älteren Damen mit viel Liebe zum Detail geführt. Zudem hat die Inhaberin das Areal über Jahrzehnte hinweg in eine farbenfrohe, leicht skurrile Erlebniswelt verwandelt. Hier dreht sich alles um Trolle, Wichtel und Fabelwesen.

Unweit von hier liegt der Torghatten - ein Berg, der für sein markantes Felsloch berühmt ist. Wir entscheiden uns heute jedoch für eine Kurzwanderung auf den Tilremshatten. Weil der Wind ordentlich zugelegt hat und es bereits wieder stark bewölkt ist, lassen wir den langen Bergrücken links liegen und wählen den kurzen, knackigen Aufstieg über die Nordostseite.

Von oben geniessen wir den Panoramablick über die Küste, Brønnøysund und den in der Ferne aufragenden Torghatten.

