Fahrt nach Stavanger
Montag, 10.08.2026
Am Morgen ist es regnerisch. Auf der kurvenreichen Fahrt klart es zwischendurch etwas auf. Es ist eine interessante und schöne Gegend – selbst bei diesem Wetter.

Bei Ben's Kafe og Motell in Helleland machen wir eine kurze Kaffeepause. Auf dem geräumigen Parkplatz beanspruchen wir fünf Parkfelder mit unserem Gespann. Der Kannenkaffee ist überraschend gut, die Räumlichkeiten erinnern eher an einen Speisesaal im Altersheim. Die restliche Strecke bis Stavanger legen wir zügig auf der E39 zurück. Der grosse Mosvangen Camping liegt in Stadtnähe und zugleich am Mosvatnet. Gegen Abend mache ich einen Spaziergang rund um das Seelein.

Hinter den Bäumen sind hie und da die angrenzenden Wohnquartiere zu sehen. Der Weg ist sehr schön angelegt und es sind verschiedenste Wasservögel und Pflanzen zu sehen. Auch das Kunstmuseum ist gleich am Weg.

Die Strecke scheint sehr beliebt, um sich nach Feierabend joggend, radfahrend oder spazierend an der frischen Luft zu bewegen.
https://www.komoot.de/tour/3188602729
Stadtbesichtigung Stavanger
Dienstag, 11.08.2026
Das Wetter ist uns heute hold. Am Morgen ist es noch leicht bedeckt, dann wird es immer sonniger. Nachdem wir die richtige Busstation endlich gefunden haben, fahren wir mit der Nummer 12 ins Zentrum von Stavanger. Da es keinen Automaten hat, müssen wir im Bus ein Ticket lösen. Der Buschauffeur kann heute aber keine Tickets ausdrucken. Deshalb gibt er uns das Geld zurück und wir kommen zu einer Gratisfahrt. Bei der Station Klubbgata steigen wir aus und laufen erst einmal durch die nächsten Gassen.

Es ist lebhaft, aber es herrscht kein Touristenrummel. Wir erkunden die Stadt, wie wir das meistens tun. Wir haben einige Eckpunkte, die wir sicher ansteuern wollen und sonst lassen wir uns einfach treiben. Stavanger ist die viertgrösste Stadt Norwegens und gilt als das wirtschaftliche Zentrum der nationalen Erdöl- und Erdgasindustrie. Bekannt ist die Stadt auch für Streetart-Kunst. Sie nimmt am jährlichen NuArt Festival teil, das für nationale und internationale Kunstschaffende organisiert wird, die ausserhalb des traditionellen Kunstbetriebs arbeiten. Wir landen als nächstes beim Hafen, wo es eher Graffiti zu sehen gibt und wo auch das Norsk Oljemuseum steht. Danach geht es durch verschiedene Quartiere und zum Aussichtsberg.

Nach den ersten Kilometern gibt es in der Vaaland Dampbakeri Kaffeepause und feines Gebäck. Gleichzeitig können wir wieder einmal ein leckeres hausgemachtes Brot kaufen. Gestärkt geht es weiter Richtung Domkirche, der farbenfrohen Fargegaten und zum Schluss ins bilderbuchmässige Quartier Gamle Stavanger.

In dieser Ecke des Hafens werden auch Bootsfahrten auf dem Lysefjord angeboten und es hat deutlich mehr Touristen. Wir machen uns langsam auf den Rückweg zum Busterminal im Sentrum. Hier gibt es auch einen Ticketautomaten, an dem wir ein Billett lösen können.

Während ich später zu Fuss einkaufen gehe, setzt Schünti den Staubsauger in Gang. Morgen wollen wir weiterfahren, so steht am Abend auch noch die Planung unserer nächsten Etappe an.
https://www.komoot.com/de-de/tour/3190777943
Fahrt durch die Jæren nach Egersund
Mittwoch, 12.08.2026
Wir kommen heute etwas spät in die Gänge. Dann geht es aber schwuppdiwupp und wir sind unterwegs nach Egersund. Die Fahrt führt uns weiter südwärts durch die Jæren, eine Küstenlandschaft im Südwesten von Norwegen. Es ist das grösste Flachlandgebiet und eine der landwirtschaftlich bedeutendsten Gegenden Norwegens. Sobald wir auf der Landschafsroute Fv44 sind, sehen wir die traditionellen Höfe mit roten Holzhäusern, den silbernen Silos und Agrargebäuden. Auf den Wiesen grasen Kühe und Schafe.

Die Felder sind von einem endlosen Netz aus grauen Steinmauern durchzogen und wechseln mit Küstenabschnitten, die aus riesigen Felsbrocken bestehen.

Gleichzeitig gäbe es auch Dünen und Sandstrände zu sehen. Dafür müssten wir aber über kleinere Strassen direkt ans Meer fahren, was mit dem Gespann nicht so gut machbar ist. Bei Brusand stehen plötzlich hunderte riesige spitze Blöcke aus Naturstein auf den Feldern. Es sind Panzersperren aus dem zweiten Weltkrieg. Es fühlt sich seltsam und bedrückend an. Kurz danach wird die Strasse kurviger und wir fahren in den Magma Geopark hinein. Links und rechts der Leitplanken erheben sich nun karge Hügelketten aus glatt geschliffenem Granit- und Anorthositgestein.
Wir lassen uns für die nächsten zwei Nächte in der Nähe von Egersund auf dem Steinsnes NAF Camping nieder. Hinter uns rauscht der Fluss Tengselva, der kurz darauf in den Nordfjorden mündet und bekannt für Lachse ist. Später fahren wir nach Egersund zum Einkaufen. Es ist eine gemütliche kleine Stadt mit vielen weissen Holzhäusern und einem schönen Zentrum. Abends sehe ich bei uns am Fluss springende Fische, wahrscheinliche Lachse, und höre das „Platsch“ wenn sie wieder ins Wasser zurückfallen.
Ausflug Sognedalstrand, Jøssingfjord, Helleren und Eigerøy Fyr
Donnerstag, 13.08.2026
Wir wollen heute den Küstenabschnitt zwischen Egersund und Jøssingfjord erkunden. Die Ausstellplätze, die sich zum Fotografieren eignen, sind einmal mehr rar. So fahren wir relativ zügig zum Sogndalstrand, einem kleinen Ort an der Küste im äussersten Süden von Rogaland.

Die alten Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert als auch die umliegende Kulturlandschaft stehen unter Denkmalschutz. Die Gemeinde Sokndal, zu der auch Sognedalstrand gehört, war die erste Gemeinde Skandinaviens, die sich der Cittaslow-Bewegung anschloss.
https://www.visitnorway.de/listings/sogndalstrand/25196/
Nachdem wir gemütlich durch den kleinen Ort mit achtzig Einwohnenden geschlendert und die Sicht auf die Küste genossen haben, fahren wir nach Hauge i Dalane, wo wir im KIWI einen kurzen Einkaufsstopp machen.

Die Terrasse vom Kaffidyret auf der anderen Strassenseite sieht so gemütlich aus, dass wir uns dort gleich niederlassen. Zum ersten Mal, seit wir in Norwegen sind, esse ich ein Eis – sehr lecker, auf einer warmen Waffel. Schünti bestellt sich ein kalorienreiches Sneakertortenstück. Die Sightseeing-Tour geht weiter durch die faszinierende Steinlandschaft zum Jøssingfjord. Direkt am Ende des Fjords und geschützt unter einem 60 Meter langen Felsvorsprung (norwegisch: Heller) stehen hier zwei Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Sie haben keine traditionelle Dacheindeckung (Dachziegel oder Torf), da sie durch das massive Felsdach vollständig vor Regen, Schnee und Wind geschützt sind.

Auf der Rückfahrt machen wir noch einige Stopps an den schönen Seen und Bächen. Nach einem feinen Abendessen rücken wir nochmals aus und fahren über die Insel Eigerøya bis zum Nautasundet. Dort parkieren wir unser Auto und gelangen zu Fuss über eine kleine Brücke auf die Insel Midbrødøya. Durch Gesteinslandschaft mit kleinen Seelein geht es zwei Kilometer bis zum Eigerøy Fyr. Der Leuchtturm aus dem Jahr 1854 ist Norwegens erster Leuchtturm aus Gusseisen. Er ist 32,9 Meter hoch. Innen ist er mit 70'000 Ziegelsteinen verstärkt, damit er starkem Wetter und Wind standhält. 1998 wurde die gesamte Leuchtturmstation unter Denkmalschutz gestellt.

Der Sonnenuntergang wird leider grösstenteils durch tiefliegende Wolkenbänke am Horizont verdeckt. Wir treffen auf zwei Norwegerinnen, die uns fragen, woher wir kommen und wie wir diesen Ort hier gefunden haben. Sie leben in Stavanger und werden heute im Leuchtturmwärterhäuschen übernachten, das man mieten kann. Der Wind ist frisch hier draussen und wir machen uns langsam auf den Rückweg.
Fahrt nach Åpta
Freitag, 14.08.2026
Unsere Fahrt führt von Egersund über Helleland wieder an Ben's Kafe og Motell vorbei. Dann folgen wir der E39 über Flekkefjord, bevor wir Richtung Åpta abbiegen. Das Dorf liegt im inneren Teil des Åptafjords. Die Frau vom Empfang zeigt uns verschiedene Plätze und empfiehlt uns wärmstens einen, der direkt am Wasser liegt. Sie erzählt uns, dass sie hier einen sehr schönen, warmen und sonnigen Sommer hatten. Heute ist es eher etwas trüb und sie hofft, dass morgen wieder die Sonne scheint.

So stellen wir unser Wägeli also direkt am Ufer ab und richten uns ein. Es ist immer wieder schön, am Morgen beim Aufwachen direkt in die Natur zu schauen. Als gegen Abend ein Bus auftaucht, merken wir an der Reaktion, dass der Platz eigentlich noch besetzt gewesen wäre. Da heute aber nichts deponiert war (Tisch, Stühle o.a.) ist der Camping davon ausgegangen, dass die Leute abgefahren sind. Die Situation entspannt sich aber schnell wieder. Da sie morgen sowieso weiterwollen, stellen sie ihren Bus für die Nacht einfach neben unser Wägeli.
Farsund, Åptafossen und Brekneholmen fyrlykt
Samstag, 15.08.2026
Nach dem Frühstück fahren wir nach Farsund, um in einer Bäckerei frisches Brot zu kaufen. Das Brot im Supermarkt ist in der Regel nicht so lecker. Farsund ist eine Küstenstadt mit charmantem Zentrum. In der Larsens Bakery finden wir zwar kein ansprechendes Brot, dafür gibt es aber einmal mehr Kaffee mit feinem norwegischem Gebäck. Auf der gemütlichen Terrasse haben wir schöne Sicht auf die farbigen Häuser, das Meer und die vorgelagerten Inseln. Nach einem kleinen Fussmarsch zum Einkaufszentrum finden wir bei Edgars Bakeri dann auch noch ein gutes Brot.

Am Nachmittag laufen wir vom Campingplatz aus die kurze Strecke zum Åptafossen. Dabei kommen wir an schönen, idyllisch am Wasser gelegenen Häusern mit hübschen Gärten vorbei. Ein Mähroboter schnurrt - wie üblich - über den gepflegten Rasen.

Am Abend fahren wir nochmals an die Küste zu einem Leuchtturm. Das bekannte Lista Fyr wird gerade renoviert und ist komplett eingerüstet. Wir entscheiden uns deshalb, zum kleinen Brekneholmen fyrlykt zu fahren. Wir erreichen ihn über eine lange Mole, wo noch einige Leute am Fischen sind. Der Strand an der rauen Küste ist felsig. Es ist windig und die Wolken türmen sich am Himmel. Den perfekten Sonnenuntergang erleben wir auch heute nicht.

Bevor die stimmungsvolle Abenddämmerung in die Nacht übergeht, fahren wir über die schmale Mole zurück und dem Campingplatz entgegen.
Fahrt nach Mandal
Sonntag, 16.08.2026
Die Fähre nach Dänemark ist gebucht. Die letzten Tage in Norwegen werden wir in Mandal verbringen. Die 61 Kilometer auf der E39 sind rasch zurückgelegt. Unser Campingplatz liegt ungefähr fünf Kilometer nördlich von Mandal. Die Reception ist noch geschlossen, der Platz frei wählbar. Es ist ein gemütlicher, kleiner Camping umgeben von hügeligem Gelände. Obwohl direkt an einer Strasse gelegen, ist es nicht wirklich lärmig. Gleich dahinter fliesst die Mandalselva an den vertäuten Booten und den Häusern am Ufer vorbei. Der Nachmittag ist sonnig und mild. Eine gute Gelegenheit um Tisch und Stühle aufzustellen und zu geniessen. Am Abend sind wir wieder einmal spät dran mit Kochen und Essen. Als ich endlich abwaschen gehen will, ist die Küche bereits geschlossen. Also trotte ich unverrichteter Dinge wieder zurück. Das Geschirr muss nun eben bis morgen früh warten. Wir lesen beide noch lange, bis uns fast die Augen zufallen und es Zeit für die Nachtruhe ist.

