Fahrt nach Lom
Montag, 20.07.2026
Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir das Trollheimen Gebiet und fahren auf der E6 weiter südwärts. Rechts und links erstrecken sich der Dovre und der Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark in all ihren Variationen von hügeliger karger Landschaft bis hin zu schneebedeckten Bergen. Auf der Strasse herrscht reger Ferienverkehr. In Otta biegen wir auf die Rv15 ab und folgen dem gleichnamigen Fluss, der in den Breheimen-Bergen entspringt und durch das landschaftlich reizvolle Ottadalen fliesst.

Nach etwa 60 Kilometer biegen wir in Fossbergom auf die Fv55 ins Boverdalen ab. Unser heutiges Ziel ist der Camping in Lom, der nur wenige hundert Meter weiter an der Bovra liegt.

Wir sind froh, haben wir am Morgen noch kurzfristig einen Platz reserviert. Bis am Abend ist der Camping voll belegt. Neben Wohnmobilen und -wagen hat es auf dem Platz auch viele kleine und grössere Zelte. Die kleinen Zelte gehören oft zu Leuten, die mit dem Fahrrad unterwegs sind oder Weitwanderungen machen. Am Abend begleitet uns das Rauschen des Baches hinter unserem Wägeli in den Schlaf.
Tour auf das Sognefjellhytta
Dienstag, 21.07.2026
Während wir noch bei Kaffee, Tee und Frühstück sitzen, haben die ersten Camper schon lange zusammengepackt und sind abgefahren. Wir wollen heute einen Ausflug ins Bøverdalen machen und auf dem Sognefjellsvegen bis zur Passhöhe fahren.

Mit 1434 m ist das Sognefjell der höchste Gebirgspass Nordeuropas. Die kurvenreiche Strecke verbindet das grüne Tal mit dem Sognefjord und führt direkt durch den Jotunheimen Nationalpark. Die Gegend ist wunderschön. Bei der Sognefjellshytta parkieren wir und laufen noch ein Stück hoch zu einem Aussichtspunkt. Von hier aus haben wir eine herrliche Rundumsicht auf die über 2000 Meter hohen Gipfel und Gletscher.

In der Sognefjellshytta, einer privaten Berghütte, machen wir eine Pause, schauen uns die ausgestellten Bilder an und bestaunen die preisgekrönte Architektur.

Auf dem Rückweg entscheiden wir uns, noch einen Abstecher ins Leirdalen zu machen, was sich definitiv lohnt. Die Leira ist milchig-grün und schlängelt sich wild durch das raue Tal. Auf der rechten Talseite baut sich die extrem zerklüftete und stark vergletscherte Smørstabbtindane-Bergkette auf.

Die linke Seite wird vom massiven Bergklotz Dumhøe und den Tverrbottindane-Gipfeln dominiert. Die Hänge sind extrem steil und felsig, was auch an den markanten Lawinenrinnen erkennbar ist. Aus den Einschnitten und Seitentälern stürzen Schmelzwasserbäche und Wasserfälle hinab in den Fluss.

Abgeschlossen wird das Tal vom Kyrkja. Dieser extrem spitze, pyramidenförmige 2032 m hohe Felszahn steht wie ein Wächter direkt hinter der Hütte Leirvassbu, die auf 1400 m liegt. Es ist unglaublich viel los in diesem Tal. Überall campieren Leute in Zelten oder Campervans. In der Nähe der Hütte steht ein grosses, fest installiertes Zeltlager.

Wir spazieren auf einen Hügel hinauf und gehen anschliessend in die Hütte, um etwas zu trinken. Auch hier läuft extrem viel. Als wir endlich einen Platz an einem Tisch finden, kommen wir mit einem Norweger ins Gespräch. Er erzählt von sich, seinen Ferien und dass er heute von Randsverk/Glitterheim über den Glittertinden (2452 m) bis hierher gelaufen ist. Als wir nachfragen, stellt sich heraus, dass er die Strecke nicht gewandert ist. Stattdessen hat er die rund 40 Kilometer und weit über 1000 Höhenmeter als Trailrun zurückgelegt. Er wirkt noch ganz fit und munter, was mich ziemlich sprachlos macht.
Wanderung zum Styggebrean
Mittwoch, 22.07.2026
Das Wetter zeigt sich für unsere Wanderung von der schönsten Seite. Wir fahren bis zur Juvasshytta, die auf 1840 m am Juvvanet liegt. Der See hat eine wunderschöne grünblaue Farbe. Der Skilift auf dem Vesljuvbrean läuft und ist gut besucht. Die Piste könnte frischen Schnee vertragen, das blanke Gletschereis ist bereits grossflächig sichtbar.

Wir schnüren unsere Wanderschuhe und laufen auf einem steinigen Pfad los. Bald folgt ein Schneefeld, danach geht es über Geröll- und Blockfelder und ein zweites Schneefeld weiter.

Die Sicht hier oben ist grandios. Bald werden wir von einer geführten Gruppe überholt, die für die Gletschertour auf den Galdhøpiggen (2438 m) ausgerüstet ist. Wir marschieren noch bis zum Rand des Styggebreans und machen bei einem grossen, flachen Felsbrocken Lunchpause. Von unserem Sitz aus können wir die vielen Gruppen beim Aufstieg über den Gletscher beobachten. Der Grat gleicht mit all den Menschen einer Ameisenstrasse.

Es wird kalt. Bevor wir uns auf den Rückweg machen, ziehen wir beide unsere Daunenjacken über alle anderen Kleidungsschichten an. Als wir später talwärts fahren, geniessen wir nochmals die wunderbare Sicht auf die schöne Bergwelt.

Als wir wieder auf dem Campingplatz sind, gehe ich zu Fuss nach Fossbergom, wo ich mir die Stabkirche anschauen und frisches Brot kaufen will. Bei der Kirche hat es viele Leute und auch Gruppen. So verlasse ich den Ort relativ rasch wieder und suche nach der Bäckerei. Im ganzen Dorf herrscht ein „Gewusel“ von Menschen, es ist ein wahrer Touristenhotspot. Nachdem ich auf Empfehlung ein Ølbrød (Bierbrot) gekauft habe, gehe ich noch kurz in einen Supermarkt. Auf dem Rückweg mache ich einen kleinen Abstecher zum Fluss, von wo aus ich eine schöne Sicht auf die Stabkirche habe.

https://www.komoot.com/de-de/tour/3131717191
Fahrt nach Randsverk
Donnerstag, 23.07.2026
Um den Jotunheimen Nationalpark noch von einer anderen Seite zu erkunden, fahren wir nach Randsverk weiter. Es ist eine kurz Fahrt von 45 Kilometern. Wir folgen zunächst der Otta flussaufwärts – genau wie auf dem Hinweg vor drei Tagen.

Nach einigen Kilometern durchfliesst der Fluss den Vågåvatnet-See. Kurz hinter Randen biegen wir dann in Richtung Randsverk ab. Die kurvige Strasse steigt stetig an. Immer wieder sind Schafe auf der Strasse oder am Strassenrand und man weiss nie so recht, was sie als nächstes im Sinn haben. Als wir auf dem Campingplatz ankommen, realisieren wir, dass Randsverk nicht wirklich eine Ortschaft ist, sondern hauptsächlich aus Campinggelände mit Restaurant, Touristenshop und kleinem integrierten Coop besteht. Dieser hat etliches an Lebensmitteln aber kaum Frischwaren. Etwas später studieren wir die Karte und stellen fest, dass es in der Nähe keine Tankstelle gibt und so schnell auch keine kommen wird. Wir entschliessen uns etwas widerwillig, nochmals zum See hinunter zu fahren und einige Kilometer weiter in Vågåmo tanken und einkaufen zu gehen. Also geht es die Strasse wieder runter und - nachdem wir den Tank gefüllt und den Supermarkt Extra mit einer vollen Einkaufstasche verlassen haben – wieder hinauf. So etwas nennt sich dann rollende Planung.
Biketour und Wanderung
Freitag, 24.07.2026
Das Wetter ist heute eher trüb. Schünti will mit dem Bike ein Tour zum Tesse-See unternehmen.
https://www.komoot.com/de-de/tour/3137155660

Ich habe mich für eine Wanderung auf die Trollhøe entschieden. Der Weg verläuft zuerst durch den Wald, wo ich nach Trollen Ausschau halte. Nachdem ich die Baumgrenze hinter mir gelassen habe, folgt der Pfad bis zum Gipfelaufschwung dem Bergrücken. Es hat nur wenige Leute unterwegs. Auf dem Gipfel treffe ich einen Vater mit seinen zwei jungen Töchtern. Sie fragen mich, ob ich ein Foto von ihnen machen kann. Zwei weitere aus der Familie haben sie weiter unten abgehängt – die warten nun ein Stück tiefer am Weg.

Die Sicht auf die von Wolken umhüllten Berge, die umliegenden Seen und die näher liegenden Gebirgszüge ist stimmungsvoll. Ich mache eine Pause, aber es wird recht schnell ungemütlich, da ein kalter Wind bläst. Also schnüre ich meine Schuhe und steige ab. Am Abend planen wir im Wägeli unsere nächste Etappe. Der Jotunheimen Nationalpark gefällt uns beiden sehr und wir möchten gerne noch mehr von dieser Gegend sehen.
Fahrt nach Maurvangen
Samstag, 25.07.2026
Wir packen bei Nieselregen zusammen und fahren 34 Kilometer weiter nach Maurvangen, das auf 987 m liegt. Sobald wir zum Sjodalsvatnet kommen, haben wir wieder einen wunderbaren Blick auf das Gebirge. Der Mauranger-Besseggen Fjellpark liegt direkt am Fluss Sjoa. Er ist für viele Wandernde Ausgangspunkt für den berühmten Besseggengrat und andere Langstreckenwanderungen, die oft mit einer Bootsfahrt über den Gjendesee verbunden sind. Die Temperatur erreicht heute maximal frische 10°. Am Abend kochen wir einen feinen, wärmenden Eintopf. Als ich später abwaschen gehe, ist im Küchen- und Aufenthaltsraum immer noch viel los. Es wird gekocht, gegessen, getrunken und geschwatzt. Das ganze Servicehaus darf nicht mit Schuhen betreten werden, was ich einerseits verstehe andererseits aber auch etwas speziell finde. Später mache ich noch einen kurzen Spaziergang zur Sjoa. Trotz dem launigen Wetter herrscht draussen reges Treiben: überall sind die Leute aktiv, sei es beim Fischen, Laufen oder Spielen.
Wanderung auf die Gjendehøe
Sonntag, 26.07.2026
Am Morgen ist der Himmel ziemlich grau und es geht ein böiger Wind. Beim Blick aus dem Wohnwagenfenster sieht Schünti, wie ein Dachzelt diesem Druck nicht mehr standhält und zusammenklappt. Wir warten ab, bis die Wolken aufreissen und fahren dann zum Ausgangspunkt für unsere Wanderung auf die Gjendehøe. Wir ergattern gerade noch einen Parkplatz. Hier scheint die Sonne und es ist windstill. Mein Rucksack ist vollgepackt mit warmen Kleidern, also packe ich einiges wieder aus und lasse es im Auto zurück. Doch kaum steigen wir höher, nimmt der Wind rasant zu. Beim Gipfelanstieg ist es zeitweise schwierig, das Gleichgewicht zu halten, denn der Wind bläst uns ungestüm in den Rücken und treibt uns vorwärts.

Die Sicht vom Gipfel auf den türkisleuchtenden Gjende-See, den Besseggengrat, die markante Knutshøe und die hohen Gipfel des Jotunheimen Nationalparks ist schon imposant. Der Wind jagt uns rasch vom Gipfel weg. Wir steigen etwas ab und lassen uns an einem lauschigen, windgeschützten Platz nieder. Hier haben es sich bereits etliche andere Leute bequem gemacht.

Wieder unten angekommen, fahren wir bis zum Pass der Valdresflya Hochebene auf 1'389 m, wo uns eine raue, arktisch geprägte Landschaft erwartet. Der Wind ist hier nochmals um einiges stärker und wir haben Mühe, die Eingangstüre zum Valdresflya Kafé zu öffnen. Nach Kaffe, Kanelknuten und Vaffel geht es zurück auf den Campingplatz.
