Abwarten in Mørsvikbotn
Montag, 22.06.2026
Es regnet praktisch den ganzen Tag. Auf dem Campinggelände sind im durchweichten Gras entweder Wanderschuhe oder Gummischlappen angesagt. Ich statte der Husflid Butikk auf dem Gelände einen Besuch ab und erfahre im kurzen Schwatz, dass Husflid ein norwegischer Verband für Volkskunst und Kunsthandwerk ist, der sich der Förderung des traditionellen Kunsthandwerks widmet.

Später fahren wir zur nahegelegenen Nærbutikken, einem Selfservice Lädeli. Dort sind wir schon gefordert, um überhaupt in den Laden zu kommen. Alle andern zücken ihr Handy, scannen und die Türe öffnet sich schwupps. Also nichts wie hinterher. Da Schünti noch Zigaretten braucht, wird es beim Zahlen auch wieder lustig - aber mit Hilfe von „Big Sister“ die sich plötzlich aus dem Lautsprecher meldet, schaffen wir auch diese Hürde.

Am Abend kochen wir und reservieren den nächsten Campingplatz.
Fahrt nach Ballangen an den Ofotfjort
Dienstag, 23.06.2026
Die Fahrt geht heute weiter über Innhavet bis Bognes. Vor uns schleicht kilometerlang ein Rollerfahrer mitten auf der kurvigen Strasse. An Überholen ist nicht zu denken, da hilft nur Geduld. In Bognes ist die Fähre schon fast startklar. Ein Arbeiter winkt uns aber noch heran und so geht es zackig weiter. Trotz den tiefhängenden Wolken sieht man bald ein Bergmassiv aufragen.

Nach einer knappen halben Stunde kommen wir in Skarberget an. Trotz Bewölkung wird nun die wunderschöne Natur mit stolzen Gipfeln, blauen Fjorden und sattem Grün sichtbar. Leider habe ich heute Morgen die eingegebene Adresse des Campings in Ballangen im TomTom nicht mehr überpüft. Kurz nach der Efjordbrücke weist uns die Ansage in die falsche Richtung. Wir biegen auf eine schmale Strasse ab, wo wir erst Kilometer weiter umkehren können. Mit dem Gespann werden solche Aktionen schnell einmal ziemlich unangenehm und stressig. Nachdem wir wieder auf der richtigen Route sind, erreichen wir bald unseren Campingplatz in Ballangen, der direkt am Ofotfjord liegt. Die Ausstattung scheint ziemlich neu und alles ist gut unterhalten. Ein echter Hingucker ist aber die Küche mit schöner Terrasse.

Es ist immer noch bewölkt und nieselt zwischendurch. Mich fröstelt, ich finde es recht kühl mit ca. 12 Grad. Dem Zürcher Ehepaar hingegen, das mit dem Camper direkt neben uns steht, erscheinen die Temperaturen hier recht angenehm. Sie kommen von Richtung Norden und waren bisher oft mit Mütze und Handschuhen unterwegs.
Ausflug und Abendwanderung
Mittwoch, 24.06.2026
Das angekündigte Zwischenhoch zeigt sich nur sehr zögerlich. Wir möchten heute gern zum Stetind, dem Matterhorn Norwegens und auch nochmals in die Gegend vom Stortinden, der uns gestern kurz vor der Efjordbrücke ziemlich beeindruckt hat. Bis zum späten Nachmittag ist es aber mehrheitlich bewölkt und regnet immer wieder kurz. Gegen 18 Uhr wird es endlich sonniger und wir fahren los. Der Stetind gilt als höchster Granit-Obelisk der Erde.

Er zeigt sich bereits bei der Anfahrt aus Nordosten als beeindruckendes Felsmassiv. Durch den Berg führt seit den 1980 Jahren ein Tunnel. Das Bauwerk ist umstritten, unter anderem auch weil der Berg in der samischen Kultur als heilig gilt. Aus dem Nordwesten gesehen wirkt der Stetind mit seinem breiten Felszahn, der 1'392 Meter hoch über dem Tysfjord aufragt noch imposanter. Nebst Klettertouren gibt es auch eine anspruchsvolle Wanderroute, die auf den Vorgipfel Halls Fortopp führt. Nach einem Fotohalt fahren wir retour zur Hauptstrasse und biegen dort links ab in Richtung Stortinden. Vom Parkplatz aus folgen wir der Wegspur über Felsplatten,

sumpfige Böden und Wasserläufe Richtung Kjerna / Stortinden bis wir westlich der Route einen Hügel erreichen, von dem aus wir im Abendlicht eine wunderbare Sicht auf die umliegenden Berge und Fjorde haben.

Ganz am Horizont erahnen wir die Umrisse der Lofoten. Als wir gegen 22 Uhr schon fast wieder beim Ausgangspunkt ankommen, begegnen wir einer Gruppe junger Menschen, die sich gerade auf den Weg machen und wohl auf einem der Gipfel zusammen die Mitternachtsonne geniessen werden.

Wir machen uns zufrieden auf den Rückweg.
Øyjord Camping und Narvik
Donnerstag, 25.06.2026
Der Morgen zeigt sich freundlich. Wir räumen zusammen und machen uns auf den Weg nach Øyjord, dort - kurz nach Narvik – liegt unser Camping für die nächste Nacht.

Ein Traktor und kurz danach die Müllabfuhr sorgen dafür, dass uns genügend Zeit bleibt, um die Gegend zu bestaunen.

Da es bis Narvik nur 30 Kilometer sind, gibt es keinen Stress für uns. Der kleine Camping in Øyjord wird von einem netten, kauzigen Typen geführt. Er kassiert ein, weist uns den Platz auf dem welligen Gelände zu und verschwindet bis der nächste Gast einfährt. Der Platz ist einfach, die Anlagen blitzsauber, was wir sehr zu schätzen wissen. Wir richten uns kurz ein und fahren dann gleich wieder zurück nach Narvik, wo ich auf der Post ein Paket abholen will. Das Timing hat bestens geklappt, das Paket ist seit heute Mittag abholbereit. Danach geht es weiter ins mehrstöckige Thon Senter, wo wir im Sunkost Reformhaus und weiteren Läden noch ein paar Einkäufe erledigen. Inzwischen regnet es bereits wieder. Auf dem Rückweg gibt es als „Tüpfchen auf dem I“ nochmals einen unfreiwilligen Zwischenhalt, da ein Bagger damit beschäftigt ist, einen Wassergraben auszuheben.

Bis er den Lastwagen beladen hat, dauert es seine Zeit. Es ist aber durchaus interessant zu beobachten, wie präzise die Rinne mit dieser Riesenschaufel geebnet werden kann. Bis zum Abend füllt sich der ganze Platz mit Campern und auf einer Wiese werden im Regen auch ein paar Zelte aufgestellt. Unsere Fussmatte versinkt in einer Pfütze, die Kneippkur will kein Ende nehmen. Einmal mehr studieren wir ausführlich die Wetterprognosen von Meteoblue und YR.no.

Grundsätzlich haben wir den Plan, Richtung Lofoten, Vesteralen oder Senja zu fahren. Bloss ... mit Ausnahme vom Wochenende sieht das Wetter nicht sehr freundlich aus und wir haben das Bedürfnis nach etwas mehr Bewegung. Also prüfen wir auch Alternativen im Norden und in Schweden. Für den Entscheid warten wir aber das Meteo von Freitagmorgen ab.
Weiterreise nach Schweden
Freitag, 26.06.2026
Der Entscheid ist heute Morgen gefallen. Wir reisen weiter nach Schweden und fahren heute nach Björkliden. Die Wetterprognosen sehen für Samstag gut aus. Wir planen eine Wanderung im Abisko Nationalpark. Im Nieselregen wird Fahrbereitschaft erstellt. Wir fahren über die E10 Richtung Grenze. Zuerst geht es im Wischerbetrieb dem Oftfjord entlang stetig auf und ab.

Dann windet sich die Strasse bergauf ins Bjørnfjell wo wir bei Riksgränsen die Grenze passieren. Hier sind die Berge wolkenverhangen aber es fällt kein Niederschlag mehr.

Die nächsten 30 Kilometer geht es bis zur Abzweigung zum Camping Björkliden Fjällby stetig bergab. Einige Minuten später erreichen wir den Campingplatz. Für die Anmeldung müssen wir aber zum Hotel, das ca. einen Kilometer weiter entfernt liegt. Wir biegen zu früh ab und irren zu Fuss und fröstelnd in einer fast menschenleeren Ferienhäuschensiedlung umher. Endlich treffen wir auf jemanden, den wir nach dem Hotel fragen können. Wir müssen zum Auto zurück und noch ein Stück weiter fahren. Kurz darauf ist die Anmeldung im gemütlichen Hotel erledigt und wir fahren zurück und richten uns auf dem zugewiesenen Platz ein. Das Servicehaus ist gut eingerichtet und auch für Indoor-Aktivitäten bestens geeignet.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir gemütlich mit Lesen, während sich der Platz bis zum Abend wieder Camper um Camper füllt.
Nuolja Gipfelwanderung fällt Aprilwetter zum Opfer
Samstag, 27.06.2026
Wir haben den Plan, mit dem Sessellift zur Bergstation des Nuolja zu fahren und von dort auf den Gipfel zu wandern. Es geht ein böiger Wind und trotz viel blauem Himmel gibt es immer wieder kurze Regenschauer. Nach dem Mittag fahren wir zum nächsten Lebensmittelgeschäft um einzukaufen. Auf dem Weg fragen wir bei der Talstation nach, ob der Sessellift trotz Windböen heute normal fährt. Der junge Mann geht davon aus und auch, dass das Wetter gegen Abend noch besser wird. Die Bahn fährt jetzt noch bis 16 Uhr, danach wieder von 20 bis 1 Uhr früh. Wir freuen uns also auf eine Abendfahrt und die Sicht auf Lapporten, das U-förmige Tal bei Abisko, welches schon von hier aus zu sehen ist.

Als nächstes fahren wir zu Godisfabriken in Abisko. Nebst dem normalen Sortiment nehmen die Süsswaren, insbesondere die offenen Süssigkeiten, Lösgodis, einen überproportionalen Anteil der Ladenfläche ein.

Und die Naschereien sind gefragt. Ich lese später im Internet, dass Lördagsgodis (Samstagsüssigkeiten) eine schwedische Tradition sind, bei der Kinder und viele Erwachsene Süssigkeiten traditionell nur samstags essen und sich deshalb oft eine lange Schlange vor den Naschregalen im Supermarkt bildet. Unser Lördagsgodi, die Fahrt auf den Nuolja platzt leider, da sich das Wetter einmal mehr nicht an die Prognosen hält. Die Regenschauer und die Bewölkung ziehen sich weit in den Abend hinein. Schlussendlich verbringen wir den Abend im Wägeli, ich entschliesse mich noch eine Trommel Wäsche zu waschen und Schünti kocht gegen 22 Uhr ein Spargelrisotto.
Fotografieren und Fahrt nach Gällivare
Sonntag, 28.06.2026
Um Mitternacht entscheiden wir uns, doch noch zum Fotografieren auszurücken.

Das Wetter hat nun aufgeklart und die grosse U-förmige Talsichel ist wieder sichtbar. Nach einigem Hin und Her finden wir einen Weg hinunter zum Torneträsk. Vom Seeufer hat man einen schönen Blick auf Lapporten.

Kurz nach 1 Uhr ist noch 4 Grad, die Kälte dringt langsam durch die Kleider und wir fahren zurück ins warme Wägeli, während die Sonne weiter auf die Hügel scheint.

Am Vormittag ist es bereits bewölkt, die Fahrt geht heute weiter bis nach Gällivare. In Kiruna machen wir einen Zwischenhalt um zu tanken und einzukaufen. Nach der doch recht überschaubaren Auswahl in norwegischen Supermärkten verfallen wir im Stora Coop Kiruna beinahe in einen Kaufrausch. Zudem sind auch die Preise deutlich moderater. Bevor es zur Tankstelle geht, gönnen wir uns im Cafe Giron eine Pause.

Die Weiterfahrt wird zeitweise ziemlich ruppig. Die Strasse führt kilometerlang immer wieder über holprige Kiesabschnitte. Wir und unser Wägeli werden ordentlich durchgeschüttelt. Bei unserer Ankunft auf dem Campingplatz in Gällivare gegen 16 Uhr ist der Platz bereits gut gefüllt.

